Flüchtlinge als Auszubildende

Sie kommen aus Mali, Gambia, Syrien, Nigeria, Afghanistan, aber auch aus Portugal, Rumänien oder dem Kosovo – die Zusammensetzung der Sprachförderkurse an der Kerschensteinerschule Reutlingen ist international. Alle Teilnehmer haben eines gemeinsam: jeder von ihnen hat zwar eine Lehrstelle in einem Handwerksbetrieb, aber noch nicht genügend Deutschkenntnisse, um dem Berufsschulunterricht folgen zu können. Deshalb hat die Kerschensteinerschule, die Berufsschule des Handwerks, wie Schulleiter Hans-Joachim Stark immer gerne betont, zusätzliche Kurse eingerichtet, in denen die jungen Auszubildenden nicht nur Grammatik und Satzbau lernen, sondern auch den fachspezifischen Wortschatz ihres Berufs erweitern können.

In zahlreichen Handwerks-Berufen, wie zum Beispiel als Maler und Lackierer, Bäcker, Maurer, Zimmermann, aber auch als Friseur, Verkäufer oder Mediengestalter sind inzwischen allein an der Kerschensteinerschule Reutlingen über hundert ausländische Schülerinnen und Schüler in Ausbildung, fast die Hälfte von ihnen sind Flüchtlinge ohne bisher ausreichende Deutschkenntnisse. „Die Betriebe berichten von motivierten und interessierten Auszubildenden, die sich in der Backstube oder auf der Baustelle gut anstellen und mitarbeiten. Um aber die Berufsausbildung auch erfolgreich abschließen zu können, sprich: um die Abschlussprüfung zu bestehen, müssen sie unbedingt noch ihre Deutschkenntnisse verbessern. Und dazu wollen wir mit den zusätzlichen Deutschkursen beitragen.“, meint Schulleiter Stark.

Die Kurse werden in einem vierstündigen Unterrichtsblock angeboten, den die Auszubildenden zusätzlich zum regulären Berufsschulunterricht besuchen können. „Die ganz überwiegende Mehrheit der Betriebe hat sich sehr positiv zu diesem Angebot geäußert. Manche haben sich bedankt und uns sogar dafür gelobt, auch wenn die Auszubildenden während dieses zusätzlichen Unterrichts dann natürlich nicht im Betrieb mitarbeiten können.“, stellt Schulleiter Stark fest. Bereits im Vorfeld wurden die Handwerkskammer und die Kreishandwerkerschaft Reutlingen über die Zusatzkurse informiert und haben Unterstützung zugesagt.

Der Unterricht wird von erfahrenen Berufsschullehrerinnen und –lehrern und von speziell ausgebildeten Fachleuten erteilt, die „Deutsch als Fremdsprache“ studiert haben. Für die Stammlehrkräfte der Kerschensteinerschule sind die Sprachförderkurse oftmals Neuland, aber sie freuen sich auf die neue Aufgabe und zusammen mit ihren Schützlingen sind sie vom erfolgreichen Abschluss dieses Projekts überzeugt.