“Ich will mein Glück probieren, marschieren …”

Zwei Absolventen der Meisterschule für Zimmerer, die nach ihrer Gesellenprüfung auf der Walz waren, berichteten einer interessierten Zuhörerschaft von ihren Erlebnissen. Simon Dißelhorst und Philipp Mihr haben die Meisterschule im Dezember des letzten Jahres abgeschlossen; jetzt konnten fast einhundert Schüler aus verschiedenen Klassen der Bauabteilung erfahren, was es mit der Walz auf sich hat, die die beiden noch als Gesellen unternommen hatten.
Die beiden gaben zunächst einen Überblick über die Bedingungen, die ein ehrbarer Handwerksgeselle erfüllen muss, um überhaupt losmarschieren zu dürfen: Auf die Wanderschaft darf nur gehen, wer die Gesellenprüfung bestanden hat, ledig, kinderlos, schuldenfrei und unter 30 Jahre alt ist. Die Wanderschaft soll keinesfalls als „Flucht“ vor Verantwortung missbraucht werden. Während der nächsten drei Jahre und einem Tag darf der Geselle einen Bannkreis von 50 Kilometer um seinen Heimatort nicht betreten, auch nicht im Winter oder zu Feiertagen. Er darf kein eigenes Fahrzeug besitzen und bewegt sich zumeist nur zu Fuß oder per Anhalter fort. Allerdings waren die beiden Vortragenden auch per Flugzeug oder als Besatzungsmitglied einer Segelschiffs gereist, um Arbeit in anderen Kontinenten zu finden.
Ein Wandergeselle muss in der Öffentlichkeit immer seine Kluft tragen. Da ein Fremder oftmals auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen ist, zum Beispiel bei der Suche nach Arbeit oder einem Schlafplatz, hat er sich immer ehrbar und zünftig zu verhalten, sodass der Nächste ebenfalls gern gesehen ist.
Der wichtigste Gegenstand, den ein jeder Wandergeselle mit sich führt, ist sein Wanderbuch. Es ist ein unersetzliches Dokument der eigenen Wanderschaft und nach deren Ende dessen wichtigstes Erinnerungsstück. Die beiden hatten ihre Wanderbücher mitgebracht, die von den interessierten Schülern neugierig unter die Lupe genommen wurden.
Der Organisator der Veranstaltung, Hermann Bizer, sang mit den Schülern das Lied eines Wandergesellen, bevor dann viele Fragen aus dem Publikum und die Übergabe eines kleinen Geschenks den Vortrag abrundeten.